Pfingsten 2026

Добрый день (dobryy den’) – heißt Guten Tag auf Russisch. Das weiß ich noch. Ansonsten ist bei mir nicht viel von sieben Jahren Russischunterricht in der Schule übriggeblieben. Ich kann „Guten Tag“, „danke“ und „bitte“ sagen, mich vorstellen, nach dem Bahnhof fragen. Aber das war es dann auch schon. Die Antwort auf meine Bahnhofsfrage würde ich nicht verstehen. Denn wirklich gelernt habe ich Russisch nie. Ich habe den Russischunterricht in der Schule wie die meisten meiner Mitschüler nur als eine Pflichtveranstaltung gesehen. Es war ein Pflicht- und kein Wahlfach. Alle Kinder mussten in der DDR Russisch lernen, ob sie wollten oder nicht. Denn die Sowjetunion war ja der große Bruder, das große Vorbild, aber eigentlich natürlich die Besatzungsmacht, an der nichts vorbeiging. Deshalb gab es wahrscheinlich eine gewisse Aversion gegen die russische Sprache. Kaum jemand wollte sie freiwillig lernen. Auch ich nicht, obwohl ich von zuhause aus wußte, dass es zum Beispiel sehr interessante russischsprachige Schriftsteller gibt: Tolstoi, Dostojewski, Tschechow, Solschenizin, Aitmatov.

Inzwischen bereue ich, dass ich die Chance damals in meiner Kindheit nicht genutzt habe. Wie wunderbar wäre das doch, wenn ich diese Sprache heute verstehen und sprechen könnte! Vielleicht auch gerade, weil der Gedanke an Russland inzwischen eher ungute Gefühle hervorruft. Aber wie wäre das, wenn ich mit jemandem tatsächlich auf Russisch über die Probleme und Fragen reden könnte? Würde das nicht etwas verändern?

Kommunikation ist doch für das gemeinsame Leben wichtig. Wenn wir als Menschen nicht miteinander reden, kommen wir in dieser Welt nicht voran. Dann sprechen leider immer wieder die Waffen – wie seit vier Jahren in der Ukraine und Russland.

Natürlich sind Kommunikation und Verständnis schon aufgrund der verschiedenen Sprachen nicht immer einfach. Aber dafür haben wir ja heute ganz andere technische Möglichkeiten als noch vor 50 Jahren als ich zur Schule gegangen bin. Heute können wir alles mithilfe von Computerprogrammen und künstlicher Intelligenz übersetzen. Aber geht es deshalb friedlicher in unserer Welt zu, obwohl die Kommunikation doch so viel einfacher geworden ist? Die hochentwickelte Technik allein scheint doch nicht alles besser zu machen. Im Gegenteil, manchmal hat man den Eindruck, dass es sogar zu viel ist. Alles läßt sich heute technisch einfach übersetzen, es gibt Sprach-Apps, Übersetzungsprogramme – aber wird dann überhaupt noch zugehört? So viel rauscht durch das Internet, durch die Medien, in allen möglichen Sprachen, aber die Aufmerksamkeit scheint weniger zu werden. Vielleicht werden deshalb die Nachrichten immer aufregender, immer lauter, immer aggressiver. Damit überhaupt noch Aufmerksamkeit erlangt wird?

Kommunikation ist ja auch keine Einbahnstraße. Zum Reden gehört dabei genauso wichtig das Hören. Am Ende liegt es vielleicht sogar weniger am Reden und mehr am Zuhören, egal in welcher Sprache?

In der Apostelgeschichte wird von dem Pfingstwunder erzählt, bei dem sich Menschen verschiedenster Sprachen auf einmal verstehen konnten. Sie alle konnten die Gute Nachricht von Jesus Christus in ihrer Sprache hören. Dabei wird ja nicht betont, dass die Apostel auf einmal alle diese verschiedenen Sprachen sprechen können. Es liegt an den Hörern! Die Menschen können die Botschaft so hören, dass sie verständlich wird. Das Pfingstwunder liegt also vor allem im Hören, in der Aufmerksamkeit der Menschen. Es liegt darin, dass die Gute Nachricht bei ihnen ankommt.

Wie das damals ohne technische Hilfsmittel möglich war, bleibt ein Wunder oder ein Rätsel. Aber wir alle kennen wahrscheinlich die Erfahrung, dass wir uns auch ohne perfekte Sprachkenntnisse verstehen können. Unsere menschliche Kommunikation läuft auf verschiedenen Ebenen, nicht nur mit der verbalen Sprache, nicht nur mit Worten. Und mit dem Herzen zu Hören ist das wichtigste Hören heißt es im Buch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Sicher spielte das damals in Jerusalem eine Rolle: die Menschen konnten mit dem Herzen hören. Das ist die Wirkung des Heiligen Geistes, der unsere Ohren, Herzen und Verstand für die Gute Nachricht öffnet. Dadurch entstand nach der Erzählung der Apostelgeschichte eine große Gemeinde in Jerusalem – und das nur wenige Wochen nach dem Tod von Jesus. Das hört sich schon sehr erstaunlich an. Eine unglaubliche Entwicklung in sehr kurzer Zeit. Historiker und Theologen sind sich allerdings ziemlich einig, dass es sich da am Anfang der christichen Gemeinde doch um eine überschaubare Runde gehandelt hat, auch, wenn der Evangelist Lukas die Namen von sämtlichen Völkern aufführt, unter denen damals im 1. Jahrhundert Juden gelebt haben. Wahrscheinlich wollte er damit sagen, dass die Gute Nachricht keine sprachlichen Grenzen kennt. Das ist ein Trost für uns, wenn wir in unseren Zusammenhängen von kleinen Zahlen ausgehen müssen. Aber auf die Anzahl der Gruppe kommt es nicht an. Wichtig ist, dass Menschen innerlich berührt werden, dass ihnen Ohren und Herzen für die christliche Botschaft geöffnet werden.

Das Pfingstwunder liegt nicht bei den Sprechenden, sondern bei den Hörenden. Der Geist Gottes öffnet die Herzen und Ohren der Menschen, dass sie besser aufeinander hören. Diesen Geist Gottes brauchen wir heute wie damals dringend in unserer Welt und in unserer menschlichen Kommunikation. Amen.

Добрый день (dobryy den’) – means ‘Good day’ in Russian. I still remember that. Apart from that, not much remains for me from seven years of Russian lessons at school. I can say ‘Hello’, ‘thank you’ and ‘please’, introduce myself, and ask for directions to the station. But that’s about it. I wouldn’t understand the answer to my question about the station. Because I never really learnt Russian. Like most of my classmates, I saw Russian lessons at school merely as a compulsory subject. It was a compulsory subject, not an optional one. All children in the GDR had to learn Russian, whether they wanted to or not. After all, the Soviet Union was the big brother, the great role model, but in reality, of course, the occupying power that ruled the country. That’s probably why there was a certain aversion to the Russian language. Hardly anyone wanted to learn it voluntarily. Not even me, although I knew from home that there were, for example, some very interesting Russian-language writers: Tolstoy, Dostoevsky, Chekhov, Solzhenitsyn, Aitmatov.

Now I regret not having taken the opportunity back then in my childhood. How wonderful it would be if I could understand and speak this language today! Perhaps precisely because the thought of Russia now tends to evoke rather uneasy feelings. But what if I could actually talk to someone in Russian about these problems and issues? Wouldn’t that make a difference? After all, communication is vital for living together. If we as human beings do not talk to one another, we will not make any progress in this world. Then, unfortunately, it is the weapons that speak time and again – as has been the case for the past four years in Ukraine and Russia.

Of course, communication and understanding aren’t always easy, simply because of the different languages. But we have completely different technical capabilities today than we did 50 years ago when I was at school. Today, we can translate everything with the help of computer programmes and artificial intelligence.

But does that mean our world is a more peaceful place, even though communication has become so much easier? Highly advanced technology alone does not seem to make everything better. On the contrary, sometimes one gets the impression that there is actually too much of it. Nowadays, everything can be easily translated using technology; there are language apps and translation programmes – but does anyone actually listen anymore? So much information rushes through the internet and the media, in all sorts of languages, yet people’s attention seems to be waning. Perhaps that is why the news is becoming ever more sensational, ever louder, ever more aggressive. Just to grab people’s attention at all? After all, communication isn’t a one-way street. Listening is just as important as speaking. In the end, perhaps it’s less about speaking and more about listening, regardless of the language?

The Acts of the Apostles tells of the miracle at Pentecost, when people speaking a wide variety of languages were suddenly able to understand one another. They were all able to hear the Good News of Jesus Christ in their own language. Yet the text does not emphasise that the apostles were suddenly able to speak all these different languages. It is down to the listeners! People are able to hear the message in such a way that it becomes understandable. The miracle of Pentecost therefore lies above all in listening, in people’s attentiveness. It lies in the fact that the Good News reaches them.

How that was possible back then without any technical aids remains a miracle or a mystery. But we’ve probably all experienced how we can understand one another even without perfect language skills. Our human communication takes place on various levels, not just through spoken language, not just through words. And ‘Listening with the heart is the most important kind of listening’, as it says in Antoine de Saint-Exupéry’s book ‘The Little Prince’. This certainly played a part in Jerusalem back then: people were able to listen with their hearts. This is the work of the Holy Spirit, who opens our ears, hearts and minds to the Good News.

According to the Book of Acts, this led to the formation of a large congregation in Jerusalem – and all this just a few weeks after Jesus’ death. That sounds quite astonishing. An incredible development in a very short space of time. Historians and theologians are, however, fairly unanimous in their view that the early Christian community was actually a fairly small group, even though the evangelist Luke lists the names of all the peoples amongst whom Jews lived in the 1st century. He probably meant to say that the Good News knows no linguistic boundaries. This is a comfort to us when we have to work with small numbers in our own contexts. But the size of the group is not what matters. What is important is that people are touched inwardly, that their ears and hearts are opened to the Christian message. The miracle of Pentecost lies not with those who speak, but with those who listen. The Spirit of God opens people’s hearts and ears so that they may listen to one another more attentively. We need this Spirit of God just as urgently today as we did then, in our world and in our human communication. Amen.