“Mehrheit fühlt sich vom Islam bedroht”

so titelt die Tagesschau und stellt so eine Meinungsumfrage aus den Jahren 2012 und 2014 vor. Man muss schon die Frage genau lesen, um zu verstehen, worauf sich diese Antwort bezieht: Als wie bedrohlich bzw. wie bereichernd nehmen Sie den Islam wahr? “Den Islam”, nicht “die Muslime in Deutschland”! Die jüngeren sunnitischen Muslime in Deutschland (die weit liberaleren Aleviten wurden nicht ausgewertet) sind nach dieser Studie zwar viel religiöser als die älteren, aber sie schätzen die Demokratie, respektieren andere Religionen und sind toleranter als die Muslime in der Türkei. Vor ihnen haben die Deutschen eigentlich auch keine Angst, sondern vor der Situation im Nahen Osten, im Sudan oder in Pakistan. So wundert es mich nicht, dass 40% der deutschen Bevölkerung sich wegen der vielen Muslime wie Fremde im eigenen Land fühlen. In vielen Gegenden leben nämlich überhaupt keine Muslime! An die Stelle der persönlichen Erfahrung tritt einfach die wilde Phantasie, wie es wäre, wenn Boko Haram oder IS-Terroristen oder Taliban das Ortsbild prägen würden.
Die Christen unter den Islam-Fürchtern würde ich gerne fragen: Wie vermeidet ihr, dass eure Furcht vor dem Islam eure Liebe zu den muslimischen Menschen beschädigt? In Jesu Augen sind sie nämlich eure Nächsten, denen ihr nicht das Leben schwer machen dürft. Mit Vorurteilen und Intoleranz fügt ihr eurem eigenen Glauben großen Schaden zu. Und wenn Nichtchristen erfahren, dass ein Viertel der Deutschen den Muslimen die Einreise nach Deutschland verbieten will, was sollen sie dann vom christlichen Glauben halten?
Wir müssen Mohammeds Lehre nicht richtig finden. Wir dürfen zu unserem eigenen Glauben stehen. Aber den sollte man dann auch an unserem freundlichen Umgang mit Muslimen erkennen können.